Sonntag, 30. Oktober 2011

Lothar Müller aus Innsbruck schreibt.....

Lothar Müller, Theol.                                                  2011-10-30

Herrn Mag. Edi Posch
Begegnung & Dialog
Martinsdiözese

Lieber Edi!

Oje, aber ohne zu generalisieren: das heutige Evangelium könnte – oder sollte – so manchem zu denken geben. So in Richtung Umkehr. Schwere Lasten für die anderen, Quasten, vorderste Sitze, Benennungen, Differenz zwischen Forderungen und Tun… alles drin.
Die Umkehr wird (uns allen!) leider nicht so recht gelingen – denn einiges scheint einfach allzu menschlich zu sein! Nimm doch einem die „Quasten an den Gewändern“ – die Kinder dieser Welt haben diese ja auch. Oder das in vorderster Reihe sitzen wollen. Das wollen auch die Kinder dieser Welt. Und „Meister“ – jede Menge! Eine Übersicht ist schon gar nicht mehr möglich. Die, die das brauchen sollens behalten dürfen aber nicht mehr weiter stören.

Herzliche Gratulation zu den 150 000 Anklicken usw. Das ist wirklich nicht zu unterschätzen. Das ist ein Zeichen nachhaltiger und seriöser Qualität – mit viel Arbeit verbunden.

Zwei der letzten Beiträge werfen für mich schon ganz pragmatische Fragen auf:

1.    Die vergeblichen Warnungen von Altweihbischof Helmut Krätzl: wir wissen alle, wie groß der Schaden für unsere Kirche war und ist. Doch – wer ist dafür verantwortlich und zieht zumindest Konsequenzen daraus? Und wenn dann welche? Es wird schon Zeit für ein kirchliches Amtsverfahrensgesetz! Innerhalb einer bestimmtem Frist haben (!!!) die angesprochenen Instanzen zu antworten. Aus.
2.    Das mit dem „Weltbild – Verlag“: bin in Deutschland darauf angesprochen worden. „Welt“ – Artikel – wirklich? Da haben die Brüder aber Handlungsbedarf! Und sie sollen angesichts dieses - wenn das alles stimmt – ja nie mehr salbungsvolle Kommentare zu Medienethik oder so abgeben oder Priester mit Zölibatsschwierigkeiten/Laien mit zweiter Ehe verdammen. Das haben sie im Falle der Stimmigkeit dieser Information verloren. Aus. Ebenfalls.

Mit einem herzlichen Gruß in die Martinsdiözese – und bitte: verzeiht Eurem Bischof dessen jungbischöflichen Stolz auf seine Gewänder bei seiner weltkirchlich so bedeutsamen Weihe. Auch er hats halt gebraucht.

Mit besten Grüßen und nochmaliger Gratulation
Dein Lothar

Kopie u.a. an Seine Eminenz Herrn Nuntius wegen Frage 1.

Anmerkung: Evangelium vom 30.10.2011 - Mt 23,1-12
"In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger und sprach: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet eucht nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen.
Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich gern grüßen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen.
Ihr aber sollte euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nr einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist eurer Lehrer, Christus.
Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

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