Freitag, 15. Februar 2013

Der Glaube wächst, wenn die Kirche glaubwürdig ist

Die mutige Entscheidung von Papst Benedikt XVI. muss als Chance wahrgenommen werden, der Kirche ein neues Profil zu geben, das sich allein am Auftrag Christi und nicht an Dogmen, Zwängen und Macht orientiert. Der Glaube wächst, wenn die Kirche glaubwürdig ist.

Robert Szinovatz

Weiterführend:

Rücktrittsgründe des Papstes
Kommentar von Anton Kolb (emeritierter Professor für Philosophie an der Katholischen Fakultät Graz)

Die Restaurativen, zu denen Benedikt selbst und die Kurie gehören, hielten ihn fest umklammert. Den berechtigten Forderungen der sich mehrenden Reformer wollte er nicht entsprechen. Den übrigen Machenschaften und Intrigen der Kurie war er nicht gewachsen. Das, und vor allem sein eigenes „Unvermögen“, wie er selbst in seiner Rücktrittsansprache eingestanden hat, waren die wahren Ursachen seines Rücktrittes.

Letztlich ist er an sich selbst gescheitert, weil er all diesen „Ansprüchen“ nicht gewachsen war. Erfolglosigkeit und Aussichtslosigkeit haben ihn in den Rücktritt getrieben. Die Macht ist in Ohnmacht umgeschlagen. Im Alter bekommt er seine Rechnung präsentiert. Alter und Krankheit sind als Gründe vor-geschoben worden. Mit seiner Lieblingsbeschäftigung, der (konservativen) Theologie und Theorie sowie mit Angst kann man die Weltkirche nicht regieren. Er war kein Politiker und kein Diplomat.

Benedikt hat der Weltkirche mit seinem Rücktritt, dem Achtung und Respekt gebühren, der weltweit fast allenthalben gelobt wurde, einen großen Dienst erwiesen, der allerdings nicht der Beschönigung dienen soll. Er hat damit erstmals mit der Tradition gebrochen. Er hat damit die Möglichkeit für einen Wandel zum Besseren eröffnet, wenngleich diese Chance leider nicht sehr groß sein dürfte.

So aber kann es nicht weitergehen, soll es nicht in absehbarer Zeit zu einem großen Krach kommen. Es ist sehr vieles zu ändern. Die Kirche muss menschlicher werden. Hoffentlich sehen es auch die überwiegend konservativen, den neuen Papst wählenden Kardinäle so. Sein Rücktritt ist historisch, leider auch seine restaurative, antiliberale Kirchenpolitik.

Graz, am 13.02.2013

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