Mittwoch, 4. April 2012

Eine Frage der Schuld

Kommentar von Otto Friedrich in DIE FURCHE:

Einmal mehr überschatten Missbrauchsvorwürfe in Österreich wie weltweit das Bild der katholischen Kirche. Bei allem glaubwürdigen Ringen um Reinigung: Der Institution steht noch eine lange Bußzeit bevor.
Man muss sich nicht an einer Wortwahl wie „Das Horror-Kloster“ beteiligen, wie ein Nachrichtenmagazin neue Missbrauchsberichte aus dem oberösterreichischen Stift Kremsmünster betitelte. Was hier zutage tritt, ist ein weiterer Mosaikstein in jenem düsteren Bild, das die katholische Kirche weltweit abgibt. Dieser Tage veröffentlichte der Vatikan seinen Visitationsbericht zu Irland, in dem den irischen Bischöfen in der Vergangenheit schwerwiegende Mängel beim Umgang mit Missbrauch vorgeworfen wird. Ein ähnliches Ergebnis ergab auch ein großer Kongress zum Thema in Rom, an dem vor wenigen Wochen auch die Spitzen der Kurie teilnahmen.
Und beim jüngsten Mexiko-Besuch des Papstes kamen einmal mehr die Vorfälle rund um den Gründer der „Legionäre Christi“, Marcial Maciel (1920–2008), aufs Tapet, dessen Missbrauchstaten und dessen mehrfache Vaterschaft auch von Rom nicht bestritten werden. Ein dramatischer Zustand, handelt es sich bei den „Legionären“ um den weltweit größten Pool an (konservativem) Priesternachwuchs. Dass Benedikt XVI. in Mexiko das Thema nicht direkt ansprach, hat ihm Kritik von Missbrauchsopfern eingetragen.


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