Donnerstag, 5. April 2012

Problem Kirchenfinanzierung - Tagung der Laienitiative in Eisenstadt

Die Laieninitiative hat sich vorgenommen, die Kirchenfinanzen zu untersuchen. Das hat mehrere Gründe. Das gegenwärtige System ist ein Erbe Adolf Hitlers und hat sich nur in Österreich und in Deutschland gehalten. Für viele Kirchenaustritte ist der Kirchenbeitrag ein letzter entscheidender Anstoß. Ob es gerechtfertig ist, zahlungsunwillige Katholiken zu klagen und zu exekutieren, ist juristisch gesehen außerordentlich fraglich. In Wien gibt es etwa 1.800 Mahnklagen jährlich (= 0,2%) bei 950.000 Zahlern.

Seit einiger Zeit formiert sich eine kirchenfeindliche Bewegung, die mit einem Volksbegehren die „Privilegien der Kirche“ abschaffen will. Das zielt weniger auf die Abschaffung von wirklichen oder vermeintlichen Privilegien, sondern ganz offensichtlich auf die Beschädigung der kirchlichen Ressourcen und auf die Vertreibung von Religion überhaupt aus der Öffentlichkeit. Davon distanziert sich die Laieninitiative ausdrücklich. Umso wichtiger scheint uns, Licht ins Dunkel der Kirchenfinanzen zu bringen und herauszufinden, wie unsere Gelder verwendet werden, denn 85 % der diözesanen Einnahmen kommen aus dem Kirchenbeitrag, nur 9 % von staatlichen Zuschüssen.

Kontakt mit der Finanzkammer der Erzdiözese Wien
Das gilt jedenfalls für die Erzdiözese Wien, die größte in Österreich. Um zu seriösen Ergebnissen zu kommen, haben wir Kardinal Schönborn gebeten, uns eine kompetente Persönlichkeit zu nennen, die unsere Fragen beantworten kann. Er nannte uns die Direktorin der Finanzkammer der Erzdiözese Wien, Mag. Brigitta Klieber. Eine kleine Delegation der Laieninitiative führte am 14. März ein ausführliches Gespräch mit Klieber und ihrem Stellvertreter und baldigen Nachfolger Josef Weiss. Beide waren durchaus auskunftsbereit, konnten aber nur in sehr beschränktem Ausmaß informieren.

Denn jede Diözese, jede Stiftung, jeder Orden, jede Institution, ebenso die Caritas, budgetieren getrennt, unbekannt ist auch die private Verfügung der Bischöfe über die jeweilige „mensa episcopalis“, also jenes Geld, das den Bischöfen traditionell persönlich zusteht. Wollte man also einen Überblick über die finanzielle Lage der Kirche in Österreich gewinnen, so müsste man die Zahlen von hunderten Trägern des kirchlichen Lebens recherchieren und zusammentragen.

Hier einige Informationen aus dem Gespräch in der Wiener Finanzkammer:
·         Bei den Ausgaben machen 57 % die Personalkosten aus, 10 % der Bauaufwand.
·         Pfarren bekommen einen Zuschuss im Ausmaß von 15,5 % des Kirchenbeitrags-Aufkommens der Pfarre.
·         Priester und Pastoralassistent/innen werden von der Diözese bezahlt, sonstiges Personal aber nicht. Was darüber hinaus die Pfarre mit ihrem Geld macht, entscheidet sie selbst.
·         Es gibt keinen Fonds für Kinder von Priestern, Alimente müssen die Priester selbst zahlen.
·         Der „Peterspfennig“, der nach Rom abgeliefert wird, macht jährlich etwa € 800.000 aus, kommt aus einer Sonntags-Sammlung und wird von der Diözese auf diesen Betrag aufgerundet.

Tagung zu den Kirchenfinanzen im Herbst
Es gibt freilich auch grundsätzliche Fragen, für die Zahlen nicht erforderlich sind.
Darf der religionsneutrale Staat die Kirche bei der Eintreibung der Kirchenbeiträge unterstützen?
Warum bekommen die Bischöfe den Kirchenbeitrag und nicht die Gemeinden, wie in der Schweiz?
Warum haben die Beitragszahler keinen Einfluss auf die Verteilung der Gelder, die sie bezahlt haben?
Warum müssen wir, die die Kirche erhalten, uns untaugliche Bischöfe von Rom vorsetzen lassen?

Diese Fragen will die Laieninitiative in einer Tagung im Herbst in Eisenstadt zum Thema machen.


Aktuell zum Thema:
Kirchenfinanzierung: Parlamentarische Anfragen beantwortet
Im März haben die Grünen parlamentarische Anfragen zum Thema „Kirchenfinanzierung“ an mehrere Ministerien gestellt. Mit dem 2. April waren die Antworten fällig, doch nur drei der insgesamt sechs Anfragen brachten auch konkrete Zahlen zu Tage. Alle anderen Fragen gingen ins Leere, weil entweder keine Statistiken zur Verfügung standen oder die befragten Ministerien nicht zuständig waren. Ergebnisse gab es aus dem Finanz-, dem Verteidigungs- und dem Bildungsressort.
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