Mittwoch, 10. September 2014

Scheidung mit Gottes Segen

Der reformierte Pfarrer Andrea Bianca
Reformierte und Katholiken nehmen sich der Geschiedenen an – damit nicht noch mehr Mitglieder austreten.

Mit leiser Stimme spricht Andrea Bianca (53) ein Gebet am Altar. Dann segnet der reformierte Pfarrer das Paar vor ihm. Auf einen Kuss warten die Gäste vergeblich.Was der Pfarrer aus Küsnacht ZH hier mit einem Gottesdienst feiert, ist keine Hochzeit – sondern eine Scheidung.

«Die Kirche muss nicht nur den Anfang, sondern auch das Ende einer Ehe rituell begleiten», sagt Bianca. Wenn ein Paar auseinandergehe, solle es dies respektvoll tun. Vor allem, wenn es Kinder habe und sich das Sorgerecht teilen soll, wie es seit dem 1. Juli gesetzlich vorgegeben ist.

Der reformierte Pfarrer – er ist selber geschieden – will die Scheidung in der Kirche schweizweit salonfähig machen. «Die reformierten Kirchen können dabei eine Vorreiterrolle einnehmen.» Bianca hat gerade erst an der Universität Bern seine Dissertation zum Thema Scheidungsrituale abgeschlossen.
Fast die Hälfte aller Ehen in der Schweiz wird geschieden. «Die Kirchen können die Augen vor dieser Realität nicht verschliessen», sagt Bianca. «Sie müssen da sein, wo Schmerz ist.»

Deshalb fordert er das Angebot von Scheidungsritualen in allen Kirchen: «Diese Arbeit sprengt die Konfessionsgrenzen. Es gibt heute so viele Mischehen, da kann sich eine Seite nicht verschliessen.»
Tatsächlich: Auch die katholische Kirche will sich künftig verstärkt um Geschiedene kümmern. Die Bischofssynode im Oktober befasst sich im Vatikan mit dem Thema «Ehe und Familie». Im Zentrum steht auch der Umgang mit gescheiterten Ehen: «Ich hoffe, dass es dabei Ermutigendes gibt für die Arbeit mit Geschiedenen», sagt Christoph Casetti, Domherr im konservativen Bistum Chur.

Geschiedene als Aussätzige
Die katholische Kirche tut sich seit Jahrhunderten schwer mit diesem Thema: Schliesslich gilt die Ehe vor Gott für sie als unauflösbar. Wer geschieden ist und neu heiratet, bleibt nach offizieller Lesart des Vatikans von den Sakramenten ausgeschlossen.

«Geschiedene werden heute noch immer zu oft als Aussätzige behandelt», sagt Bischofsvikar Christoph Casetti. Neu sensibilisiert er Priester im Umgang mit dem Thema und hilft Geschiedenen in Seminaren, ihren Platz in der Kirche zu finden.

Weil sich freikirchliche und neureligiöse Gruppierungen zunehmend der Geschiedenen annehmen, fühlen sich die etablierten Kirchen gefordert. Pfarrer Bianca: «Wir müssen jetzt handeln. Sonst verlieren wir die Menschen an andere, weniger seriöse Anbieter.»

Mit seinen Scheidungsritualen machte er überraschende Erfahrungen: «Ich hatte ein Paar, das danach feststellte: Jetzt haben wir unsere Schwierigkeiten verarbeitet: Wir bleiben zusammen!»
Quelle: blick.ch


Homepage von Dr. Andrea Marco Bianca >>


Scheiden vor dem Altar
Bei der Trauung ist die Kirche dabei, bei der Trennung oft abwesend: Ein Scheidungsgottesdienst kann jedoch den Betroffenen enorm über die schmerzliche Zeit hinweg helfen, wie der Berner Theologe Andrea Marco Bianca in seiner Studie herausgefunden hat.
Online-Magazin der Universität Bern vom 11.9.2007 >>


Positionspapier mit praktischen Arbeitshilfen, erarbeitet von der Fachgruppe Kirche des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF und vom Zentralvorstand am 7. Mai 2003 verabschiedet.
Geschieden und wiederverheiratet –
„Du aber stärke deine Schwester!“ (vgl. Lk 22,32)

Aus dem Inhalt:
Scheidungsliturgie für ein Paar in Trennung (Seite 13)
Scheidungsliturgie für eine Frau in Trennung (Seite 15)
Segensfeier für Geschiedene und standesamtlich Wiederverheiratete (Seite 17)
Dieses Positionspapier mit praktischen Arbeitshilfen wurde von der Fachgruppe Kirche des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF erarbeitet und vom Zentralvorstand am 7. Mai 2003 verabschiedet.
als PDF >>

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