Montag, 22. September 2014

Sonntags-Touristen mit Eucharistie-Navi?

Die Herbstkonferenz der Katholischen Männerbewegung (KMB) der Diözese St. Pölten befasste sich im Bildungshaus Stift Zwettl mit Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft in Österreich. Thematisiert wurden die Sonntaggestaltung, die Einführung einer anonymisierten Statistik der Schwangerschaftsabbrüche, biblische Initiativen für die kommenden Jahre sowie das persönliche Einbringen der Männer bei einem Caritas-Projekt in Oradea in Rumänien. Hauptreferent war Ernest Theussl, pensionierter Religionspädagoge aus Deutschlandsberg, zum Thema „Der Sonntag, meine Pfarre und ich“. Der Obmann der KMB Steiermark meinte am Beginn seines Referates provokant: „Aufgrund innerkirchlicher Entwicklungen müssen wir uns fragen: Werden wir zu Sonntags-Touristen, die mit dem Eucharistie-Navi die nähere und weitere Umgebung erkunden, oder werden wir weiterhin aus unserer alltäglichen Lebenswelt verbundene Ortsgemeinde unseren Glauben dort feiern können, wo wir zu Hause sind?“ Er verwies auf den Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer, der beim Kongress der Pfarrgemeinderäte in Mariazell drei Vorgaben formulierte, die eine zeitgemäße Kirche ausmachen würden. Seiner Meinung müsse die Kirche jesuanischer, urchristlicher und konzilskonformer werden. In einer arbeitsteilig strukturierten Gesellschaft, die vielfach von säkularen Riten durchwirkt sei, hätte der traditionelle christliche Sonntag einen schweren Stand. „Wir müssen ihn auf seine anthropologischen, dem Menschen dienenden, und theologischen, aus dem Glauben kommenden, Grundlagen zurückführen und so in unsere Zeit inkulturieren“, so Ernest Theussl. Voraussetzung dafür sei, dass ausreichend Raum und Zeit dafür zur Verfügung stehe. In der Pfarrgemeinde vor Ort sei das noch am ehesten zu erreichen. Wer die Pfarrgemeinden auflöse, zerstöre Identifikation und Heimatgefühl der dort lebenden Menschen.

„Kommunion kann man sich nicht irgendwo holen, sondern muss man dort erleben, wo man zu Hause ist. Daher ist es ein Gebot der Stunde, alles zu unternehmen, dass die Menschen am Sonntag nicht fortfahren müssen, um zu einer 'communio' zu kommen“, so der Religionspädagoge vor Teilnehmern aus vielen Dekanaten der Diözese St. Pölten, der selber in einem Pfarrverband mit fünf Pfarren lebt. Wortgottesdienste müssten zu einer selbstverständlichen Form der Sonntagsheiligung werden. Dort, wo ein dringender Wunsch der Gemeinde besteht, sei auch die Hl. Kommunion als Zeichen der Einheit zu reichen. Die einmal angedachte Idee, bewährte Männer - und auch Frauen - für die gemeindliche Feier der Eucharistie einzusetzen, sei beharrlich zu verfolgen und alle gegenteiligen Tendenzen seien hintanzustellen.

KMB-Herbstkonferenz

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